praktika 11. klasse

praktika naturforschung & landschaft


In der 11. Klasse der Atelierschule stehen im Frühsommer drei Praktika zum Thema »Landschaft & Naturforschung« mit verschiedenen Schwerpunkten zur Auswahl:
  • »Der Rhein von seinen Quellbereichen in den Schweizer Alpen bis zur Mündungsregion in den Niederlanden« (Schwerpunkt Geografie).
  • »Landschaften verstehen - künstlerische Forschung zwischen Natur und Kultur« (Schwerpunkt Bildnerisches Gestalten).
  • »Ökologie, Meeresbiologie und Astronomie auf Ile d‘ Yeu« (Schwerpunkt Biologie).

Den zweiwöchigen Praktika geht eine Vorbereitungswoche in der Schule voraus, an der alle Schüler/innen gemeinsam teilnehmen. Ziel ist es, Grundbegriffe von Naturforschung und Landschaft zu erarbeiten, aber auch schon spezifisch auf das gewählte Praktikum vorzubereiten.

Praktikum »Landschaften verstehen - künstlerische Forschung zwischen Natur und Kultur« – Bildnerisches Gestalten

Ziel des Praktikums ist es, die Wahrnehmungsfähigkeiten der Schüler/innen gegenüber der Atmosphäre, der Eigenart und Ganzheit von Landschaftsgebieten mit den Mitteln der bildenden Kunst zu sensibilisieren und zu entwickeln. Dabei haben die Schüler/innen die Aufgabe, bestimmte Orte in der Landschaft in mehreren Schritten mittels Zeichnungen, Malereien, Fotografien, Videos, Farbproben und Texten zu erkunden, die Orte als geografisches Ganzes zu visualisieren, die sichtbaren Dinge analytisch zu untersuchen sowie die kulturelle, politische und ökonomische Dimension zu ergründen. Gleichzeitig nehmen sie auch eine Sicht aus ihrer subjektiven Position heraus ein. Schliesslich gilt es die gesammelten Eindrücke aus einem künstlerisch-ästhetischen Blickwinkel heraus ins Bild zu setzen. Das dabei entstehende Produkt verweist einerseits auf das Charakteristikum des Landschaftsortes und andererseits auf eine freie individuelle Sicht- und Erlebnisweise. Die SchülerIinnen arbeiten prozessorientiert und experimentell.

Unser erstes Praktikum fand 2016 im Oberengadin und im Aletschgebiet statt. Die Gemeinsamkeiten dieser beiden Landschaften basieren auf eiszeitlich geprägten Formbildungen, auf Besonderheiten der Vegetation und des Klimas und einer nachhaltigen Berglandwirtschaft. In beiden Gebieten sind die Auswirkungen des ewigen Eises und des Klimas auf die Landschaft exemplarisch sichtbar und haben diese Landschaften einzigartig gemacht. Während des Projektes fanden mehrere Begegnungen mit Fachleuten aus Kunst, Kultur und Oekologie statt u.a. mit: Dr. Silvia Tobias (Landschaftsökologin ETH), Regula Bücheler (Geografin), Laudo Albrecht (Biologe von Pro Natura) und Dr. Mirella Carbone (Kunsthistorikerin).

Lydia Sautter, Markus Rohner, Lehrkräfte Bildnerisches Gestalten


Praktikum »Der Rhein von seinen Quellbereichen in den Schweizer Alpen bis zur Mündungsregion in den Niederlanden« – Geografie

Unser Praktikum nimmt die Schüler/innen mit auf eine Reise entlang des Rheins. Auf der Suche nach einem breitgefächerten Untersuchungsfeld für das Fach Geografie, an dem komplexe Prozesse erarbeitet werden können, werden wir hier fündig. Ein Flusssystem bietet sich dazu an, da erdzeitgeschichtliche, aber auch gegenwärtige Entwicklungen erkennbar sind. Flussläufe sind veränderlich und haben weitreichende Auswirkungen auf die Landschaft und ihre Bewohner. Die Schüler/innen sollen sehen und erklären lernen, wie Wasser Landschaften formt, wie Flüsse diese selbst erschaffenen Welten immerzu verändern – und erleben, welche Kräfte ein Fluss entfesseln kann. Weiter soll entdeckt werden, wieso ein Fluss diesen und keinen anderen Weg wählt, wie er durch den Menschen fremdbestimmt wird, welche Chancen sich für die Menschen durch die Nutzung des Flusses eröffnen und welche Gefahren er in sich birgt. Themen sind dabei ua. Gletscherspuren, Bach, Fluss, Strom, Mäander, Auenlandschaften, Talformen, Sedimentation, Erosion, anthropogener Einfluss und Nutzung, Wassermanagement, Renaturierung, Klimawandel. Am Ende sollen die Schüler/innen in der Lage sein zu erkennen und zu beurteilen, welche Bedeutung der Fluss im Einzugsgebiet für Natur und Mensch hat. Dabei werden die Prozesse und Phänomene nach dem Aktualitätsprinzip erklärt: Die Gegenwart als Schlüssel für die Vergangenheit.

Zwei Wochen lang waren wir 2016 erstmals entlang des Rheins unterwegs; in etwa die Zeit also, die das Wasser vom Bodensee bis zur Mündung in die Nordsee braucht. Dabei hatten wir keinen festen Stand- und Arbeitsort, sondern reisten alle ein bis zwei Tage dem Wasser hinterher in Richtung Norden. Es galt, die Phänomene zu benennen, zu erklären und in einem Abschlussbericht mittels Kurzberichten, Skizzen und Fotos zu dokumentieren und zu analysieren. Die Schüler/innen entwickelten neben dem Verständnis für naturräumliche Gegebenheiten auch ein Bewusstsein dafür, wie stark der Mensch heute in natürliche Kreisläufe eingreift. Am Ende konnte jedem klar werden, dass das Leben am Fluss vor allem ein Leben mit dem Fluss bedeutet.

Jolanda Mottier, Susanne Ramseier, Lehrkräfte Geografie


Praktikum »Ökologie, Meeresbiologie und Astronomie auf Ile d‘ Yeu« – Biologie

Das Ökologie-Meeresbiologie-Praktikum soll den Lernenden die Möglichkeit geben, das im Biologieunterricht Erarbeitete in der unmittelbaren Begegnung mit den Naturphänomenen durch eigenständiges Beobachten, exaktes Wahrnehmen und das selbständige Ziehen von Schlussfolgerungen zu üben, zu festigen und damit zu einem sicheren Wissen und Können zu machen. Dabei wird dem intensiven Erleben der Natur ein sehr wichtiger Platz eingeräumt. Um einen Zugang zu den komplex vernetzten biologischen Systemen zu bekommen, wie sie in der modernen Ökologie bekannt sind, werden wir unser Praktikum am Meer auf der atlantischen Insel Ile d’Yeu (Vendée) durchführen.

Unsere Unterkunft auf der Insel 2016, im Centre Les Patagos, erwies sich als sehr praktisch. Im Ort St. Sauveur gelegen, waren die Gebäude um einen grasbewachsenen Innenhof angeordnet. Die Zahl der Schüler/innen ermöglichte eine gute Aufteilung in Jungen- und Mädchentrakt und alle konnten auf einem Stockwerk schlafen. Die von manchen zuerst empfundene Beengtheit wich bald dem Gefühl der Gemütlichkeit. Wenige Schritte von den Schlafräumen entfernt befanden sich die beiden Schulräume. Ein Raum wurde zum Mikroskopier- und Seminarraum, der andere stand als Arbeitsraum zur Verfügung. Da es zwar oft windig, seltener aber regnerisch war, konnten auch die Tische draussen genutzt werden, um die Berichte und Zeichnungen zu erstellen. Insgesamt zeigte sich, dass es in zwei Wochen gut möglich ist, die wichtigsten Ökosysteme beobachtend und beschreibend zu erfassen, eine Übersicht zu erlangen, neue Fähigkeiten zu entwickeln und – unser grosses Anliegen – die Natur mit allen Sinnen intensiv wahrzunehmen.

Silvia Wunderlin, Lehrerin Biologie


 

aus schülersicht

Praktikum »Landschaften verstehen - künstlerische Forschung zwischen Natur und Kultur«

»Mit einer kaum mehr als vagen Vorstellung von dem, was uns erwartete, reisten wir zum Pro Natura Zentrum im Wallis, der Villa Cassel. Diese wunderschöne alte Villa und ihre Leitung waren sehr einladend und freundlich. Jeden Tag bewegten wir uns frei im Aletschwald, wobei wir uns von der Landschaft im Kleinen, im Grossen und als Ganzheit ein Bild machen sollten. Dabei warfen wir unsere Blicke einerseits auf die Natur und andererseits auf die Atmosphäre der beobachteten Orte.

Das Wetter war in den ersten Tagen neblig und regnerisch, wodurch der Aletschwald in einer eher düster verklärten, geheimnisvollen Stimmung erschien. Schliesslich aber lichteten sich die Wolken und es heiterte auf. Unvergesslich ist uns die Wanderung mit Steigeisen und Seil über den Alteschgletscher, auf der wir zahlreiche Eindrücke und Erlebnisse sammelten. Die Bergführer und Geologiestudierenden, welche uns führten, erklärten uns ausführlich die verschiedenen Merkmale des Gletschers. Die Mitarbeiter/innen von Pro Natura erzählten uns vom Rollibock, dem Beschützer des Gletschers, dem edlen englischen Herr Cassel, von Winston Churchill, der in den Zimmern logierte, in welchen wir jetzt wohnten, bis hin zu der besonderen Fauna und Flora, welche man hier finden kann.

Die zweite Woche unseres Praktikums verbrachten wir in Maloja im Oberengadin. Wir wohnten dort im legendären Hotel Palace. Der schöne Corvatschsaal war unser Schulzimmer. Im Gegensatz zu der eher mystischen Stimmung, die wir im Wallis erlebten, begegnete uns hier eine sonnige, helle Hochebene, deren Schönheit bekanntlich viele Künstler/innen angezogen hat. Der Malojawind über den Engadiner Seen ist ein Mekka für Surfer und Segler und so konnten auch wir verschiedene Wassersportarten ausprobieren, wie Windsurfen, Kanu und Stand Up Paddling.

Nach und nach fanden wir alle heraus, wie wir die Natur am besten beobachten und die Eindrücke künstlerisch umsetzen konnten. Wir fotografierten, zeichneten, malten, beschrieben die kleinen und grossen Eigenschaften der Landschaft. In der künstlerischen Umsetzung war viel Kreativität verlangt.

Abends sorgten die jeweiligen Kochgruppen dafür, dass alle satt und zufrieden waren.

Rückblickend können wir sagen, dass dieses Praktikum ein sehr tolles Erlebnis war. Es gab unbeschreiblich schöne Orte, welche wir besuchten und auch viele lustige Momente mit unserer Gruppe. Wir haben viel über die Landschaften an den jeweiligen Orten gelernt und haben sie individuell erfasst. Es war eine tolle Zeit!«

Hannah Chughtai & Mira Kasten, 11b 2015/16

Praktikum »Der Rhein von seinen Quellbereichen in den Schweizer Alpen bis zur Mündungsregion in den Niederlanden«

»Das Rheinlager war ein tolles Erlebnis. Es war sehr eindrücklich zu sehen, wie sich der Rhein durch so viele verschiedene Gebiete und Ökosysteme bewegt und wie schnell sich die Landschaft verändert. Auch sehr beeindruckend war es zu sehen, wie gefährlich die Hochwassergefahr ist und welche Auswirkungen ein paar Zentimeter Wasserstand auf einen Deich haben können. Allgemein kann das Lager als einziges Highlight beschrieben werden, währenddessen man sehr viel über Hochwasserkontrolle und das Rheinische Ökosystem lernt. Alles in allem eine super Erfahrung, die ich bestens weiterempfehle!

Als wir in Neuss (D) an das Rheinufer gingen, stand das Wasser höher als normal und viele Weiden mit einem Teil der Wiese unter Wasser. Am Ufer wuchsen viele Brennesseln und Kletten, an einer Stelle wurden kleine Muscheln angeschwemmt. In den Niederlanden sind die Pflanzen am Rheinufer immer noch die gleichen. Jedoch wachsen die Bäume in windigen Gebieten weniger in die Höhe, dafür mehr in die Breite, damit sie nicht vom Wind beschädigt werden. Sie passen sich an die vorherrschenden Umweltfaktoren an. Im Gebiet der Mündung in die Nordsee wachsen durch den Einfluss des Salzwassers Meeresalgen. Man kann am Laufe des Rheins anhand der Pflanzen verschiedene Klimazonen erkennen: das eher kältere Bergklima um die Rheinquelle herum, die durch viel Schnee beeinflusst wird, die gemässigte Zone im mittleren Teil und das Rheindelta in den Niederlanden, das unter dem Einfluss des Meeres steht.«

Arbeitsgruppe Ökologie, 2016
 

»Das Rheindelta breitet sich sozusagen über die ganze Niederlande aus. Die Leute dort fingen vor langer Zeit an, Deiche zu bauen, um das Wasser kontrolliert in das Meer fliessen zu lassen und sich zugleich vor Stürmen und Hochwasser zu schützen. So konnte das Land zum Anbau und zum Bau von kleinen Städten genutzt werden. Der Boden ist in diesen Regionen umso fruchtbarer, da er oft von Meerwasser mit vielen Nährstoffen überflutet wurde. Deiche bieten einen guten Schutz und sind schnell gebaut. Ein grosser Nachteil allerdings ist, dass es schwierig ist, festzustellen, wann ein Deich nachgibt. Dies war 1953 der Fall, als ein Deichbruch für grosse Schäden sorgte und ganze Küstengebiete überflutete. Da die Menschen dieses Risiko nicht mehr eingehen wollten, wurde der Deltaplan erarbeitet. Die Küstenregionen werden nun mit Hilfe von Wehren geschützt. Statistisch gesehen geben solche Wehre nur alle 4'000 Jahre einem Hochwasser nach.«

Arbeitsgruppe Wassermanagement, 2016

Praktikum »Ökologie, Meeresbiologie und Astronomie auf Ile d‘ Yeu«

»Das Praktikum auf Ile d'Yeu war eine Bereicherung für mein Leben. Ich habe in diesem Praktikum so viel gelernt, wie noch in keinem Praktikum bisher, habe gelernt, die Natur ganz genau zu beobachten und die Beobachtungen zu deuten und zu verstehen. Ich habe gelernt, die Atmosphäre der Natur auf mich wirken zu lassen und zu versuchen, diese zu verobjektivieren.«

Julia Gassert, 11b 2015/16

»Die Erwartungen, die ich an Ile d'Yeu hatte, sind übertroffen worden. Es war alles sehr gut organisiert. Der ganze Tagesablauf war klar und es war eine grosse Freiheit gegeben, da man sich alles, wann man was machte, selber einteilen durfte. Durch das grosse Angebot an Freizeitaktivitäten (Reiten, Kajakfahren, Schnuppertauchen, Schnorcheln) ist jeder auf seine Kosten gekommen, somit konnten wir Ile d'Yeu aus einem anderen Blickwinkel kennen lernen. Die Seminare am Abend waren sehr spannend und haben mich jedes Mal zum Nachdenken gebracht.«

Greta Steinbrück, 11a 2015/16

»Das draussen Arbeiten bei jeder Witterung war ein fantastisches Erlebnis. Praktisch jeden Tag entdeckte ich etwas Neues, eine neue Algenart oder eine andere Tierart, ein neues Mikroökosystem und so weiter. Die zu bearbeitenden Aufgaben waren nicht zu schwer, aber doch fordernd. Von der Menge her sind die Aufgaben perfekt abgestimmt und man hat genug Arbeit für den ganzen Tag. Das ganze Praktikum ist gut organisiert und man hat viele Freiheiten und muss selbständig arbeiten. Die Seminare am Abend sind zeitlich gut eingeplant und die behandelten Themen (Wetterkunde, Astronomie und moderne Astrophysik, tropische Regenwälder und Korallenriffe als Ökosysteme) hoch spannend.«

Dimitri Graf, 11c 2015/16