praktika 11. klasse

praktika naturforschung & landschaft


In der 11. Klasse der Atelierschule stehen im Frühsommer vier Praktika zum Thema »Landschaft & Naturforschung« mit verschiedenen Schwerpunkten zur Auswahl:
  • »Ökologie, Meeresbiologie und Astronomie auf Ile d‘ Yeu« (Schwerpunkt Biologie)
  • »Landschaften verstehen - künstlerische Forschung zwischen Natur und Kultur« (Schwerpunkt Bildnerisches Gestalten).
  • »Orte und Landschaften literarisch und historisch verstehen« (Schwerpunkte Literatur, Philosophie und Geschichte)
  • »From Blake to Banksy:' Exploring Southwestern England, London and Wales through literature and art. « (Schwerpunkt Englisch)

Den zweiwöchigen Praktika geht eine Vorbereitungswoche in der Schule voraus, an der alle Schüler/innen gemeinsam teilnehmen. Ziel ist es, Grundbegriffe von Naturforschung und Landschaft zu erarbeiten, aber auch schon spezifisch auf das gewählte Praktikum vorzubereiten.

Praktikum »Ökologie, Meeresbiologie und Astronomie auf Ile d‘ Yeu« – Biologie

Das Ökologie-Meeresbiologie-Praktikum soll den Lernenden die Möglichkeit geben, das im Biologieunterricht Erarbeitete in der unmittelbaren Begegnung mit den Naturphänomenen durch eigenständiges Beobachten, exaktes Wahrnehmen und das selbständige Ziehen von Schlussfolgerungen zu üben, zu festigen und damit zu einem sicheren Wissen und Können zu machen. Dabei wird dem intensiven Erleben der Natur ein sehr wichtiger Platz eingeräumt. Um einen Zugang zu den komplex vernetzten biologischen Systemen zu bekommen, wie sie in der modernen Ökologie bekannt sind, werden wir unser Praktikum am Meer auf der atlantischen Insel Ile d’Yeu (Vendée) durchführen.

Unsere Unterkunft auf der Insel 2016, im Centre Les Patagos, erwies sich als sehr praktisch. Im Ort St. Sauveur gelegen, waren die Gebäude um einen grasbewachsenen Innenhof angeordnet. Die Zahl der Schüler/innen ermöglichte eine gute Aufteilung in Jungen- und Mädchentrakt und alle konnten auf einem Stockwerk schlafen. Die von manchen zuerst empfundene Beengtheit wich bald dem Gefühl der Gemütlichkeit. Wenige Schritte von den Schlafräumen entfernt befanden sich die beiden Schulräume. Ein Raum wurde zum Mikroskopier- und Seminarraum, der andere stand als Arbeitsraum zur Verfügung. Da es zwar oft windig, seltener aber regnerisch war, konnten auch die Tische draussen genutzt werden, um die Berichte und Zeichnungen zu erstellen. Insgesamt zeigte sich, dass es in zwei Wochen gut möglich ist, die wichtigsten Ökosysteme beobachtend und beschreibend zu erfassen, eine Übersicht zu erlangen, neue Fähigkeiten zu entwickeln und – unser grosses Anliegen – die Natur mit allen Sinnen intensiv wahrzunehmen. 

Silvia Wunderlin (Biologie)


Praktikum »Landschaften verstehen - künstlerische Forschung zwischen Natur und Kultur« – Bildnerisches Gestalten

Ziel des Praktikums ist es, die Wahrnehmungsfähigkeiten der Schüler/innen gegenüber der Atmosphäre, der Eigenart und Ganzheit von Landschaftsgebieten mit den Mitteln der bildenden Kunst zu sensibilisieren und zu entwickeln. Dabei haben die Schüler/innen die Aufgabe, bestimmte Orte in der Landschaft in mehreren Schritten mittels Zeichnungen, Malereien, Fotografien, Videos, Farbproben und Texten zu erkunden, die Orte als geografisches Ganzes zu visualisieren, die sichtbaren Dinge analytisch zu untersuchen sowie die kulturelle, politische und ökonomische Dimension zu ergründen. Gleichzeitig nehmen sie auch eine Sicht aus ihrer subjektiven Position heraus ein. Schliesslich gilt es die gesammelten Eindrücke aus einem künstlerisch-ästhetischen Blickwinkel heraus ins Bild zu setzen. Das dabei entstehende Produkt verweist einerseits auf das Charakteristikum des Landschaftsortes und andererseits auf eine freie individuelle Sicht- und Erlebnisweise. Die SchülerIinnen arbeiten prozessorientiert und experimentell.

Unser erstes Praktikum fand 2016 im Oberengadin und im Aletschgebiet statt. Die Gemeinsamkeiten dieser beiden Landschaften basieren auf eiszeitlich geprägten Formbildungen, auf Besonderheiten der Vegetation und des Klimas und einer nachhaltigen Berglandwirtschaft. In beiden Gebieten sind die Auswirkungen des ewigen Eises und des Klimas auf die Landschaft exemplarisch sichtbar und haben diese Landschaften einzigartig gemacht. Während des Projektes fanden mehrere Begegnungen mit Fachleuten aus Kunst, Kultur und Oekologie statt u.a. mit: Dr. Silvia Tobias (Landschaftsökologin ETH), Regula Bücheler (Geografin), Laudo Albrecht (Biologe von Pro Natura) und Dr. Mirella Carbone (Kunsthistorikerin).

Lydia Sautter, Markus Rohner (Bildnerisches Gestalten)


Praktikum »Orte und Landschaften literarisch und historisch verstehen« – Literatur, Philosophie und Geschichte

Ziel dieses Projektes ist es, Orte und Landschaften mit Literatur und Geschichte zu verbinden und die daraus entstehenden Ideen und Erkenntnisse weiterzuentwickeln.

Die Stationen Weimar und Frankfurt am Main sind polare Orte, an denen sich ganz gegensätzliche Kräfte und Geistesströmungen gegenüberstanden und -stehen. Die Schülerinnen und Schüler haben dabei die Möglichkeit, ihre Wahrnehmungsfähigkeiten gegenuüber der Atmosphäre, der Eigenart und Ganzheit von Orten mit den Mitteln des kreativen Schreibens zu sensibilisieren und zu entwickeln. Sie halten ihre Gedanken und Ideen in Notizbüchern fest und transformieren die gesammelten Eindrücke in eigenständige Textproduktionen. Die Texte sind einerseits geprägt vom jeweiligen Ort und dessen Geschichte und andererseits von der freien, geistigen Intention der Schreibenden.

Die Schülerinnen und Schüler erhalten Inputs aus den Bereichen Literatur, Philosophie und Geschichte. Es finden Begegnungen mit Historikern, Archäologinnen und Literaturwissenschaftlerinnen statt.

Wolfgang Steffen (Deutsch, Philosophie) und Jeannette Spreuer (Geschichte)


aus schülersicht

Praktikum »Landschaften verstehen - künstlerische Forschung zwischen Natur und Kultur«

»Mit einer kaum mehr als vagen Vorstellung von dem, was uns erwartete, reisten wir zum Pro Natura Zentrum im Wallis, der Villa Cassel. Diese wunderschöne alte Villa und ihre Leitung waren sehr einladend und freundlich. Jeden Tag bewegten wir uns frei im Aletschwald, wobei wir uns von der Landschaft im Kleinen, im Grossen und als Ganzheit ein Bild machen sollten. Dabei warfen wir unsere Blicke einerseits auf die Natur und andererseits auf die Atmosphäre der beobachteten Orte.

Das Wetter war in den ersten Tagen neblig und regnerisch, wodurch der Aletschwald in einer eher düster verklärten, geheimnisvollen Stimmung erschien. Schliesslich aber lichteten sich die Wolken und es heiterte auf. Unvergesslich ist uns die Wanderung mit Steigeisen und Seil über den Alteschgletscher, auf der wir zahlreiche Eindrücke und Erlebnisse sammelten. Die Bergführer und Geologiestudierenden, welche uns führten, erklärten uns ausführlich die verschiedenen Merkmale des Gletschers. Die Mitarbeiter/innen von Pro Natura erzählten uns vom Rollibock, dem Beschützer des Gletschers, dem edlen englischen Herr Cassel, von Winston Churchill, der in den Zimmern logierte, in welchen wir jetzt wohnten, bis hin zu der besonderen Fauna und Flora, welche man hier finden kann.

Die zweite Woche unseres Praktikums verbrachten wir in Maloja im Oberengadin. Wir wohnten dort im legendären Hotel Palace. Der schöne Corvatschsaal war unser Schulzimmer. Im Gegensatz zu der eher mystischen Stimmung, die wir im Wallis erlebten, begegnete uns hier eine sonnige, helle Hochebene, deren Schönheit bekanntlich viele Künstler/innen angezogen hat. Der Malojawind über den Engadiner Seen ist ein Mekka für Surfer und Segler und so konnten auch wir verschiedene Wassersportarten ausprobieren, wie Windsurfen, Kanu und Stand Up Paddling.

Nach und nach fanden wir alle heraus, wie wir die Natur am besten beobachten und die Eindrücke künstlerisch umsetzen konnten. Wir fotografierten, zeichneten, malten, beschrieben die kleinen und grossen Eigenschaften der Landschaft. In der künstlerischen Umsetzung war viel Kreativität verlangt.

Abends sorgten die jeweiligen Kochgruppen dafür, dass alle satt und zufrieden waren.

Rückblickend können wir sagen, dass dieses Praktikum ein sehr tolles Erlebnis war. Es gab unbeschreiblich schöne Orte, welche wir besuchten und auch viele lustige Momente mit unserer Gruppe. Wir haben viel über die Landschaften an den jeweiligen Orten gelernt und haben sie individuell erfasst. Es war eine tolle Zeit!«

Hannah Chughtai & Mira Kasten, 11b 2015/16

Praktikum »Orte und Landschaften literarisch und historisch verstehen«

Gedanken zum Besuch im KZ Buchenwald

»Der hässlichste Mensch tötet seinen Zeugen. Den Zeugen, den jeder in sich selbst hat, in Form des Ichs. Der Zeuge, vor dem du nichts verstecken kannst. Tötest du diesen Zeugen, bist du im Stande alles zu tun. Die Freiheit aber, durch den Zeugen zu entscheiden, was du tun willst und was nicht, verlierst du.

Nur so kann ich mir erklären, wie die SS-Soldaten in der Lage waren zu tun, was sie taten. Ich behaupte, sie sind eine Version des hässlichsten Menschen. Nur durch das Töten meines eigenen Zeugen kann ich die unmenschlichen Taten begehen und im nächsten Moment mit meinen Kindern liebevoll umgehen. Nur so kann ich in dem unerschütterlichen Glauben bleiben, dass meine Taten nicht falsch sind so wie es manche SS-Soldaten lange nah dem Zweiten Weltkrieg taten. Es ist der einzige mir vorstellbare Grund wieso NS-Verbrecher so reuelos sein können. Sie entwickeln sich nicht mehr weiter. Sie sind die hässlichsten Menschen.«

Jero Plüss, 15.06.2019


»Frankfurt – zerstört, erschüttert, dem Naziwahnsinn ausgesetzt. Frankfurt – wiederaufgebaut, heilgemacht mit einer Pseudo-Altstadt, dem Wirtschaftswahnsinn ausgesetzt.
Für bestimmte Geschehnisse in der Nazizeit gibt es keine adäquaten Erklärungen. Die Wörter der menschlichen Sprache sind für Vorkommnisse dieser Art nicht geschaffen. So auch die Bombardierung auf Frankfurt. Es ist gut, dass man sich beim Bilde eines solchen Zerstörens davon Rechenschaft gebe, mit welcher Wucht das Böse sich zu Zeiten vordrängen kann. Man könnte annehmen, dass man in Deutschland dadurch auf ewig nie mehr an Recht und an menschliche Güte glauben könne, denn der Deutsche hat damals unter Hitler alle Länder kennengelernt, nur nicht die Heimat seines Verstandes.
Der Wiederaufbau war ein hoffnungsvoller Akt der Heilung, vielleicht auch eine Möglichkeit für die Wirtschaft.
Nun, wie sinnvoll war es, auch die Altstadt wiederaufzubauen? Krankhaftes Festhalten an der Kultur? Gewisse Rebellion gegen die Nationalsozialisten? Schlussendlich ist die wiederaufgebaute Altstadt wie ein Brandmahl für die vorherigen Geschehnisse, vielleicht aber auch ein unter den Teppich scharren. Wiederaufbau ist aller Endes absolut keine Garantie für eine bessere Zukunft.«

Ines Delic, 20.06.2019

Praktikum »Ökologie, Meeresbiologie und Astronomie auf Ile d‘ Yeu«

»Das Praktikum auf Ile d'Yeu war eine Bereicherung für mein Leben. Ich habe in diesem Praktikum so viel gelernt, wie noch in keinem Praktikum bisher, habe gelernt, die Natur ganz genau zu beobachten und die Beobachtungen zu deuten und zu verstehen. Ich habe gelernt, die Atmosphäre der Natur auf mich wirken zu lassen und zu versuchen, diese zu verobjektivieren.«

Julia Gassert, 11b 2015/16

»Die Erwartungen, die ich an Ile d'Yeu hatte, sind übertroffen worden. Es war alles sehr gut organisiert. Der ganze Tagesablauf war klar und es war eine grosse Freiheit gegeben, da man sich alles, wann man was machte, selber einteilen durfte. Durch das grosse Angebot an Freizeitaktivitäten (Reiten, Kajakfahren, Schnuppertauchen, Schnorcheln) ist jeder auf seine Kosten gekommen, somit konnten wir Ile d'Yeu aus einem anderen Blickwinkel kennen lernen. Die Seminare am Abend waren sehr spannend und haben mich jedes Mal zum Nachdenken gebracht.«

Greta Steinbrück, 11a 2015/16

»Das draussen Arbeiten bei jeder Witterung war ein fantastisches Erlebnis. Praktisch jeden Tag entdeckte ich etwas Neues, eine neue Algenart oder eine andere Tierart, ein neues Mikroökosystem und so weiter. Die zu bearbeitenden Aufgaben waren nicht zu schwer, aber doch fordernd. Von der Menge her sind die Aufgaben perfekt abgestimmt und man hat genug Arbeit für den ganzen Tag. Das ganze Praktikum ist gut organisiert und man hat viele Freiheiten und muss selbständig arbeiten. Die Seminare am Abend sind zeitlich gut eingeplant und die behandelten Themen (Wetterkunde, Astronomie und moderne Astrophysik, tropische Regenwälder und Korallenriffe als Ökosysteme) hoch spannend.«

Dimitri Graf, 11c 2015/16