Impressionen von den Aufführungen im Juli 2017

theaterprojekte 12. klassen

 

hörspiel – «kino im kopf / theatre of the mind»

Rund 20 Schülerinnen und Schüler erarbeiten gemeinsam ein Hörspiel unter dem Titel «Kino im Kopf». In fünf Wochen entstehen zwei Projekte in englischer und deutscher Sprache. Die Schüler entwickeln selbst einen Plot und schreiben daraus ein Script, welches dann zur Vorlage für die Audio-Aufnahmen dient. Auch Ton und Musik sollen von den Schülern selbst produziert werden. Ein abenteuerliches Projekt mit viel Spass und grossen Gestaltungsräumen, auf das wir uns ausserordentlich freuen!
Tom Tafel, Szene & Musik

Sa, 08. Juli 2017, 18.00 h und 19.00 h, Musiksaal
– in der Pause Verkauf der Hörspiel-CD


theater im theater – «dreigroschenoper»

Die Dreigroschenoper in drei (langen) Sätzen: Bertolt Brechts berühmtestes Werk mit der Musik von Kurt Weill beschreibt eine Welt, in der die Menschen von oben getreten werden und ihrerseits diejenigen treten, welche (vermeintlich?) unter ihnen sind. Es gibt keine Gerechtigkeit in der Welt von Mackie Messer, Peachum und Co. Es herrscht Konkurrenzkampf und das Recht des Stärkeren; Brecht prophezeite gewissermassen schon Ende der 20er Jahre den Neoliberalismus, die Hierarchie und die Macht des Geldes in der westlichen Gesellschaft von heute.
Giuseppe Spina, Regie & Bearbeitung

Do, 06. Juli 2017, 20.00 h, grosser Saal
Fr, 07. Juli 2017, 20.00 h, grosser Saal
Sa, 08. Juli 2017, 20.00 h, grosser Saal

Achtung: Wir empfehlen eine Reservation für die Aufführungen, bitte per Mail an
dreigroschenoperreservation@gmail.com


theater im sozialen – «konferenz der vögel»
in koproduktion mit der rafaelschule zürich

Schüler/innen der Atelierschule spielen in Kooperation mit 20 Schüler/innen der heilpädagogischen Tagesschule Rafaelschule Zürich «Die Konferenz der Vögel» frei nach Farid ad-Din Attar – ein Epos, in welchem es um grosse Themen geht wie die Liebe, den Tod oder die Freundschaft. Eine Gruppe von traurigen, desorientierten Vögeln trifft sich unter der Leitung des «Upupa» (Upupa epops = Wiedehopf), um sich auf die Suche nach dem König Simurg zu machen, der allwissend sein soll. Während ihrer gefährlichen Reise werden sie psychisch und physisch auf harte Proben gestellt. Dreissig Vögel erreichen das Ziel auf dem Gipfel des Berges «Gaf». Dort aber finden sie nur ihr eigenes Spiegelbild vor: Der König, auf dessen Suche sie waren, ist Teil ihrer selbst.
Federico Dimitri, Regie & Bearbeitung

Do, 29. Juni 2017, 14.00 h – Rafaelschule Zürich, Kapfsteig 64, 8032 Zürich
Fr, 30. Juni 2017, 19.00 h – Rafaelschule Zürich, Kapfsteig 64, 8032 Zürich

Eintritt zu allen Aufführungen frei, Kollekte für den Bau


Rückblicke

Von der Plotfindung zum fertigen Projekt – unsere Hörspiele

Nach einer Besichtigung der Aufnahmeräume des SRF-Radiostudios und einigen interessanten Gesprächen mit den dort arbeitenden Personen waren wir darauf eingestimmt, unser Hörspielprojekt zu beginnen. In der Woche darauf starteten wir mit Schauspiel-Improvisationsübungen, die unser Selbstbewusstsein und ebenso den Zugang zur Kreativität fördern sollten. Gegen Ende der Woche machten wir erste Aufnahmen mit dem Mikrophon. Für diese Aufnahmen schrieben wir Dialoge und auch Monologe. Uns wurden Aufgaben gestellt, bei denen wir unsere kreative Freiheit nutzen konnten und einfach losschrieben. Es entstanden viele interessante und auch lustige Aufnahmen. Wir stellten diese zusammen und veröffentlichten diese über eine Hörstation auf dem Schul-Pausenhof mit Kopfhörern und einem MP3-Player – die sogenannte ›Hörbox‹. In der folgenden Woche teilten wir uns in zwei fast gleich grosse Gruppen auf. Es sollten am Schluss zwei Hörspiele entstehen, ein schweizerdeutsch-deutsches und ein englisches. Wir befanden uns in der Phase der Plot-Findung und erstellten erste Schreibversuche für eine mögliche Geschichte. Im Anschluss setzten wir uns zusammen und stimmten demokratisch ab, was unsere Geschichte beinhalten sollte. So erstellten wir die Grundhandlung.
Das Schreiben der einzelnen Szenen forderte viel Geduld und Konzentration. Noch während des Schreibens der Szenen teilten wir die Rollen so ein, dass alle eine Sprechrolle hatten. Als die meisten Szenen fertig geschrieben waren, starteten wir die Aufnahmen. Während die einen aufnahmen, gingen die anderen auf Geräuschejagd. Mit einem Aufnahmegerät konnten Geräusche wie Autos, Schritte etc. aufgenommen werden. Als der Grossteil der sprechenden Stimmen aufgenommen war, fingen einige an zu mischen. Das bedeutete, Stimmen zu bearbeiten, Geräusche und Musik darunter zu legen und ganze Szenen zusammenzuschneiden. Man musste oft umdenken von Bild auf Ton. Denn man muss genügend Informationen liefern, damit sich der Zuhörer auch wirklich alles vorstellen kann, aber auch nicht zu viele Einzelheiten, sonst zerfällt die Spannung der Geschichte. Dieser Prozess benötigte einige Überstunden. In der letzten Woche beschäftigten sich einige mit dem Layout des Werbeplakats und mit dem CD-Cover. Es wurde weiter gemischt und die CDs mussten gebrannt werden. Schlussendlich schafften wir es, pünktlich fertig zu werden.
Als Fazit können wir sagen, dass wir einiges mitnehmen können von diesem Projekt. Ob die schauspielerischen Fähigkeiten, sich in eine Rolle einzufühlen und sie glaubwürdig rüberzubringen, oder neu erworbene Erfahrung mit Audioprogrammen – und vieles mehr.
Anna Klopfer, 13a

 

Wer ein Mensch doch ist – zur Dreigroschenoper

An nem schönen grauen Schultag
Findet sich ein jeder ein
Und man hört die Schüler fragn
Was mag wohls Theater sein?

Nach reichlichem Überlegen hat sich schlussendlich Bertolt Brecht mit seiner Dreigroschenoper sogar gegen unseren Nationalhelden Max Frisch durchgesetzt. Gesangs-, Schauspiel-, Bühnenbau- und Kostümbegeisterte waren zusammengekommen, um ein grossartiges Projekt auf die Beine zu stellen. Doch aller Anfang ist schwer, und so blickten wir erst einmal ohne Skript in der Hand auf unbestückte Kleiderstangen und eine leere Bühne. Da war sehr viel Imaginationsvermögen, Tatendrang und Einsatz gefragt.
Mit Improvisationsübungen, Recherchen und dem Erstellen von Plakaten sowie Modellen sind wir dann langsam in die Welt von Mackie Messer, Peachum & co eingetaucht. Über die nächsten fünf Wochen hinweg wurde fleissig geprobt, gesungen, genäht, gewerkelt, gemalt und gelacht. Schritt für Schritt entstand ein Gesamtkunstwerk, zu dem jeder seinen Beitrag geleistet hat. Und es wurde dort ausgeholfen, wo es nötig war. So wurde der Schauspieler zwischendurch zum Handwerker, der Bühnenbauer zum Schneider, und der Kostümbildner schlüpfte in die Haut einer Prostituierten. Am Ende des Projektes hatte jeder mindestens eine kleine Nebenrolle, damit auch jene, die normalerweise im Dunkeln hinter der Bühne arbeiten, einmal im Lichte stehen. Dieses Licht war hell, aufregend und sehr schnell wieder erloschen. Unter den tosenden Beifall mischten sich auch einige wenige kritische Stimmen, welche offenbar die Befürchtung hegten, dass wir durch dieses Projekt ins falsche Milieu abrutschen könnten. Dies haben wir jedoch eher als Kompliment für unser überzeugendes Schauspiel aufgefasst denn als Zweifel an der Wahl des Stückes.
Kurz vor den Aufführungen gab man uns noch die Weisheit mit auf den Weg, dass es sich beim Theater um eine ganz spezielle Form der Kunst handelt, welche nur im Moment des Aufführens lebt und danach für immer von der Bühne verschwinden wird. In unseren Köpfen und hoffentlich auch denen der Zuschauer wird die Erinnerung an die wunderschönen gemeinsamen Stunden jedoch erhalten bleiben. Man mag vielleicht manchmal vergessen, dass man ein Mensch doch ist, aber dieses einmalige Theaterprojekt wird niemals in Vergessenheit geraten.
Charlotte Rapp, 13a

 

Witz, Charme und Authentizität – zum Theaterprojekt mit der Rafaelschule

Schon am zweiten Tag studierten kleine Gruppen der Atelierschüler mit ein paar Rafaelschülern etwas ein, z.B. Rhythmusübungen mit Trommeln. Man konnte dabei Atelier- und Rafaelschüler/innen noch klar unterscheiden. Die zweite Woche wurde intensiver, die Tage wurden länger und auch die Unterschiede weniger spürbar. Alle öffneten sich immer mehr und liessen sich auf das Theaterprojekt ein. Die dritte Woche drehte sich um Probedurchläufe; wir waren inzwischen zu einer Theatergruppe zusammengewachsen. Auch das Drumherum (Bühnenbild, Soundtechnik) nahm zunehmend Gestalt an. Mitte Woche war es Zeit für die Generalprobe und danach freuten sich alle auf die beiden bevorstehenden Aufführungen.
Unsere etwa 40-minütigen Vorstellungen enthielten viel Witz, Charme und Authentizität. Wir haben die Dichtung »Konferenz der Vögel« von Fariduddin Attar abstrakt interpretiert; dazu komponierten unsere Musiker passende Stücke und komplettierten sie mit Liedern wie »Schönste Abigstern«, »Ich wollt’ ich wär ein Huhn«, »Laila« und »Cuesta Abajo« von Carlos Gardel. Das Bühnenbild und die verschiedenen Kostüme unterstrichen die Darbietung und verliehen ihr noch mehr Glanz.
Durch das Theaterprojekt konnten wir viele neue, soziale und künstlerische Erfahrungen sammeln. Es ist ein einzigartiges Projekt entstanden, welches sich unserer Meinung nach lohnt weiterzuführen. Wir begegneten den Rafaelschüler/innen auf kollegialer und persönlicher Ebene, was etwas Einzigartiges und Pures war. Besonders stark war unsere Selbstständigkeit gefragt, da wir Vorbildfunktionen hatten und viele Szenen allein erarbeiten mussten. Und wir lernten es, Entscheidungen spontan auf Gefühlsebene zu treffen, was für uns Schüler, die wir täglich im Unterricht sitzen und intellektuell gefordert werden, sehr lehrreich war. Wir haben das Gefühl, dass wir im Laufe des Projekts zu einer kleinen Familie zusammengewachsen sind.
Annika Gross, Sephora Huber, 13a

2013-18: Veranstaltungen für den Bau. Drei Jahre lang geht der volle Erlös aus allen Veranstaltungen an den Bau. Danke für Ihre Spende.