Atelierschule Zürich
Die Atelierschule Zürich, Integrative Mittelschule der Rudolf Steiner Schulen Sihlau und Zürich, will eine Einrichtung sein, an welcher Schüler/innen gern lernen, um sich allgemein bildende Fähigkeiten auf der Stufe der Mittelschule anzueignen und sich auf weiterführende Bildungswege vorzubereiten. Sie umfasst die Klassen 10 bis 13 der Rudolf Steiner Schulen Sihlau und Zürich, deren Schulvereinigungen den Trägerverein zur Förderung der Schule bilden. Die Schule verwaltet sich selbst, die Leitung des Schulbetriebs obliegt dem Lehrerkollegium. Die Schule arbeitet in dem Bewusstsein, dass es viele berechtigte Schulformen gibt; mit einer solchen Form möchte sie ihren Beitrag zur Bildung leisten.
Menschenbildung
Die Atelierschule sieht im Sinne Pestalozzis und Steiners in der Menschenbildung, dem Vorgang der leiblichen, seelischen und geistigen Entfaltung der Individualität des Menschen, die Grundlage der Bildung und eines der höchsten Güter der Gesellschaft. In Unterrichtsfreiheit und Methodenvielfalt wird versucht, Anregungen der Pädagogik im Sinne Rudolf Steiners zu verwenden, die eine in der Entwicklung des Menschen begründete Bildung anstrebt. Die Schule ist von der Überzeugung getragen, dass der jugendliche Mensch in einer Zeit zunehmender Individualisierung und zugleich hoher Komplexität und Flexibilität des sozialen Lebens vermehrt theoretischer, musischer und praktischer Bildungsmöglichkeiten bedarf, um aus den Anlagen seiner Individualität heraus sein Leben und seinen Beitrag an die Gesellschaft frei gestalten zu können.
Offenheit zu lebenslangem Lernen
Spannungsgeladen und in erhöhtem Grad entwickelt die erwachende Persönlichkeit ureigenen Welthunger und Weltschmerz, Idealbildung und Kritikfähigkeit, Vereinsamung und Liebeskraft. Es entfalten sich einerseits Selbstvertrauen, Beherrschung und Hingabe an das eigene Arbeiten, andererseits Betrachtungsvermögen und Verständnis für die fremden Handlungen der Anderen. Im Hinblick auf die Fähigkeit zu lebenslangem Lernen will die Atelierschule den Schülerinnen und Schülern grundlegende Kenntnisse über die Natur und die vom Menschen geschaffene Kulturwelt und Technik vermitteln, ihre geistige Offenheit fördern und die Fähigkeit zum selbständigen Urteilen ausbilden. Die Schule fördert gleichzeitig die Intelligenz, die Fantasie, die Willenskraft, die Sensibilität in ethischen und musisch-künstlerischen Belangen sowie die physischen Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler.
Die Bildungsziele der Atelierschule stützen sich auf Art. 5 des Maturitätsanerkennungsregle-mentes (MAR) und den Rahmenlehrplan für die Maturitätsschulen (EDK–Dossier 30A, 1994). Der Bildungsgang beruht auf dem Zusammenwirken von drei Lernbereichen und -formen:
- Schulung der Fähigkeiten des begrifflichen und sprachlichen Verständnisses der Welt, Ausbilden der Urteilskraft und des sprachlichen Ausdrucks (Sprachen, Mathematik, Natur- und Geisteswissenschaften).
- Musisch-künstlerisches Erüben des ästhetischen Wahrnehmens und schöpferischen Ausdrucks bis hin zur Einstudierung von Bühnendarstellungen sowie der Ausstellung und Präsentation von Werkarbeiten (Musik, Bildnerisches Gestalten, Eurythmie, Theater).
- Eigentätiges und praxisbezogenes Lernen und Arbeiten, welches Gelegenheit gibt zu selbständigem Engagement, zur Durchführung von Projektarbeiten allein und in Gruppen sowie zur Erfahrung von Lebensausschnitten aus Kultur, Natur und Arbeitswelt (Schwerpunktfächer als Atelierunterricht, Praktika, selbständige Arbeiten).
Integrative Mittelschule
Mit anderen Steiner-Schulen in der Schweiz und international versteht sich die Atelierschule als Integrative Mittelschule (IMS), die als Gesamtschule bis zum 12. Schuljahr allen Schüler/innen offen steht, während ein 13. Schuljahr den Maturanden/innen vorbehalten ist. Sie schliesst an die Kindergärten und das 1. bis 9. Schuljahr der Trägerschulen an. Nach Wahl und Eignung besuchen die Schüler/innen anschliessend den gesamten Bildungsgang zur Maturität vom 10. bis 13. Schuljahr, oder sie besuchen den allgemeinbildenden, praxisbezogenen Bildungsgang, der am Ende des 12. Schuljahres im Hinblick auf den Besuch einer Be-rufslehre, Fachschule, Fachhochschule etc. mit einem entsprechenden Zertifikat IMS abgeschlossen werden kann. Nach Bedarf kann die Schule für Schüler/innen, die den praxisbezogenen Ausbildungsgang besuchen, alternative Unterrichtsmodule einrichten.
Lebensort Schule
Das Atelier ist ein Ort mit durchlässigen Fenstern zur Welt, den man aufsucht, um sich der schöpferischen Arbeit hinzugeben, und an dem man zusammenkommt, um ihre Ergebnisse gegenseitig zu betrachten. Besser als das Schulzimmer mit nach vorn ausgerichteten Bänken oder der mit Papieren übersäte Schreibtisch eines Studenten ist es ein Bild für das Gelingen und Misslingen kreativen Lernen und Arbeitens.
Die Schule als Ort, der sich der Bildung kostbarer individueller Fähigkeiten widmet, erfordert von allen Beteiligten in besonderem Masse auch den Einsatz gerade ihrer individuellen Kräfte. Sie befinden sich in jedem Menschen an einem besonderen Punkt seiner Biografie, die sich von allen anderen unterscheidet. Bewusst oder unbewusst, förderlich oder hinderlich, stossen sie in der Schule ständig zusammen. Um dem Sinn der Schule als Lebensraum, in dem sich individuelle Fähigkeiten heranbilden können, gerecht zu werden, verlangt dies von Lehrkräften, Schülern/innen, Eltern, Schulvereinsmitgliedern, Schulfreunden, Vertreter/innen von Behörden etc. eine Kultur der Freiheit und der Wahrnehmung des Anderen, der Verbindlichkeit getroffener Vereinbarungen und der gegenseitigen Achtung auch in zu bewältigenden Krisen, der Partnerschaftlichkeit und Solidarität.
