Sozialpraktikum bei den Lakota 2009
Das Interesse der Klasse 11a an den Lakota-Indianern und ihrer Geschichte begann sich bereits in der 10. Klasse zu entwickeln. Die Geschichte ihrer Lakota-Mitschülerin, die Tatsache, dass diese nach einem Jahr an der Atelierschule wieder zurück auf das Reservat zog, sowie ein ausführlicher Vortrag über das Leben und die Geschichte der Lakota-Indianer schufen in der Klasse ein Anliegen, aus dem die Idee entstand, im Rahmen des Sozialpraktikums einen Einsatz auf dem Pine Ridge Indianer Reservat (South Dakota, U.S.A.) zu leisten.
Ein Grossteil der Klasse 11a wird das Sozialpraktikum im September/Oktober 2009 im Pine Ridge Indianer Reservat durchführen und Lakota-Indianer dabei unterstützen, einen eigenen Projektimpuls zu realisieren. Im Vordergrund steht bei diesem ersten Einsatz die Unterstützung eines Bildungsprojekts, das mit ungewisser Zukunft begonnen hat. Eine kleine Gruppe Lakota-Eltern, die über die Zukunft ihrer Kinder besorgt sind, haben eine Waldorfinitiative begonnen mit der Absicht, die altersbedingten Bedürfnisse der einzelnen Kinder ins Zentrum zu stellen. Ein wichtiges Anliegen ist auch die Erhaltung des Kulturschatzes und der Sprache der Lakota-Kinder. Das bisherige Bildungssystem, an dem die Lakota-Kinder heute zwingend teilnehmen (eine staatlich sowie ökumenisch geprägte Bildungsinstitution), hat die Integration der Lakota in die heutige amerikanische Gesellschaft als primäre Zielsetzung. Eine Schulabbruchsrate von über 50% und erhebliche Schwierigkeiten mit Rauschmittelkonsum, Depression sowie eine hohe Selbstmordrate zeigen die Konsequenzen eines Bildungssystems, das die wahren Bedürfnisse und Anliegen der Lakota-Kinder nicht genügend berücksichtigt. Diese noch junge Waldorfinitiative braucht und verdient Unterstützung. Sie entsteht in einer Umgebung in den USA, die nach statistischen Maßstäben in vielerlei Hinsicht (Kindersterblichkeit, Lebenserwartung usw.) einem unterentwickelten Land ähnelt. Die 12. KlässlerInnen, die selbst die Vorteile einer hoch stehenden Bildung genossen haben, sind prädestiniert, sich für diese Initiative und für diese minderbemittelte und diskriminierte Kulturgruppe einzusetzen.
Vorbereitungsphase in der Schule
Als Teil der Praktikumsvorbereitung werden sich die Schüler/innen mit den historischen und heutigen Lebensumständen der Lakota-Indianer befassen und die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung in Form von öffentlichen Präsentationen an einem Lakota-Kulturabend vortragen. Die öffentlichen Präsentationen dienen dazu, die Umstände der Lakota einem breiteren Schweizer Publikum näher zu bringen und gleichzeitig durch „freie Kollekte“ die Einsatzkosten teilweise zu decken. Präsentationsthemen, die vorbereitet werden, sind: Der geschichtliche Kontext, die geographischen Bedingungen, die Kultur (inkl. Rituale u. Religion), die sozialen Herausforderungen des heutigen Lebens in dem Reservat sowie eine Serie von Kurzbiographien verschiedener heute auf dem Reservat lebender Schulkinder.
Am Lakota-Kulturabend wird auch eine Sammelaktion durchgeführt, d.h. Besucher werden gebeten, nach Absprache mit der Lakota Waldorfschule, Kleidungsstücke, Schulmaterial usw. als Spende mitzubringen. Die Klasse wird das Gespendete sortieren und für den Transport zum Reservat vorbereiten. Es ist geplant, dass die Schüler/innen bis zur Hälfte ihrer zugelassenen Gepäckmenge mit Spendenartikeln füllen und diese nach Süd-Dakota bringen.
Die Klasse wird in die Detailplanung des Einsatzes eingebunden und soll mitführend tätig sein. Dies bedeutet eine vorherige Auseinandersetzung mit der Situation der Lakota Waldorf Schule und ihren langfristigen Zielen, unter anderem durch einen regen Austausch zwischen der 12. Klasse, der Schulleitung und den Lakota-Stiftungsräten in Süd-Dakota.
Umsetzungsphase im Pine Ridge Reservat
Die Klasse reist am 19. September nach Pine Ridge ab. Bis zum 3. Oktober wird die Klasse ihren Einsatz für die Lakota Waldorf Schule leisten. Unter anderem stehen diverse Bau- und Renovierungsarbeiten am Gebäude und dessen Umgebung an. Die detaillierte Planung des Projekteinsatzes und der genaue Ablauf entstehen in Zusammenarbeit mit der Präsidentin der Lakota-Stiftung. Ein wichtiger Aspekt dieses Praktikums ist das Erkennen einer Problemlage oder eines Bedürfnisses und die Teilnahme an der Planung und Führung des daraus entstehenden Projektes. Hauptziel dieser Art von Sozialpraktikum ist es, den Schüler/innen die Möglichkeit zu geben, auf ein wahrgenommenes soziales Problem konstruktiv und tatkräftig zu reagieren.
Berichterstattung
Montag, 23. November, 19.30 h, grosser Saal
Apéro ab 19.00 h
Diverse Dokumentationsinstrumente, z.B. Foto, Video oder Text werden von den Schüler/innen eingesetzt. Schwerpunkt der Dokumentation ist die Auseinandersetzung mit den sozialen Prozessen aus dem Gesichtspunkt: Was habe ich geleistet? Was hat die geleistete Arbeit mit mir gemacht? Was hat die Arbeit für andere bewirken können? Die Projektdokumentation wird als Klassenprojekt wieder in die Schule hinein fliessen. Berichterstattung erfolgt im klassenübergreifenden Schülerforum und an Elternabenden.
Alle, die dieses Projekt gerne finanziell unterstützen möchten, auch in bescheidenem Rahmen, sind gebeten, Kontakt mit dem Projektleiter aufzunehmen (Ray Fleetwood, vagrants@hispeed.ch). Die Klasse und die Lakota freuen sich auf jeden Beitrag.
Ray Fleetwood
